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Amelia Scicolone

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Amelia Scicolone

Von Grenchen auf die grossen Opernbühnen


In Deutschland und Österreich wird die in Grenchen aufgewachsene Amelia Scicolone bejubelt, ist unter anderem mit den Berliner Philharmonikern an den Osterfestspielen in Baden-Baden aufgetreten. Die am Nationaltheater Mannheim engagierte Sängerin gastiert am Sonntag, 20. Januar, 10.30 Uhr, mit einer Mozart- Gala im Museum Blumenstein in Solothurn.

In der Kanti Solothurn wurde sie «Schiggi- Bohne» genannt. Die aparte Frau mit den grossen Katzenaugen und dem dunklen Haar zieht noch immer alle Blicke auf sich. Im Alltag und auf der Bühne, wo das Publikum die Prachtsstimme der Opern- und Konzertsängerin bewundert. Nun gastiert die Grenchnerin im Blumenstein mit Werken jenes Komponisten, der ihr zum Durchbruch verhalf. Eine Paraderolle wird dabei fehlen: Die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte. Die Figur, bei der es ganz auf das Feuerwerk der Stimme ankommt. Doch Amelia brilliert eben nicht nur mit den halsbrecherischen Koloraturen der Königin, sondern auch mit Blondchens verführerischem «durch Zärtlichkeit und Schmeicheln » aus der «Entführung aus dem Serail ». Die mit leicht anspringender Höhe, Koloraturgeläufigkeit und Silberschimmer gesegnete Sängerin beherrscht alle drei Sopranpartien der «Zauberflöte» und beide der «Entführung aus dem Serail». Und natürlich die meisten lyrischen Sopranrollen aus Mozarts Feder. Wo immer sie die Frauengestalten des Salzburger Meisters interpretierte, wurde sie dafür gefeiert. Lieblingsinszenierungen kennt die seit der Spielzeit 2017/2018 am Nationaltheater Mannheim im Festengagement verpflichtete Künstlerin trotzdem kein. «Ich habe mehrere», lacht sie. «Doch es sind meistens eher die Begegnungen mit den Menschen, die mir prägende Eindrücke hinterlassen. Deren Fähigkeit, der Musik so zu dienen, dass ein Gesamtkunstwerk entstehen kann, fasziniert mich. Sich in diesem Ganzen eingebettet zu wissen und entfalten zu können, befriedigt enorm. Die aktuellste Inszenierung ist gerade die von Calixto Bieito, der die «Marienvesper» von Monteverdi in Szene setzte. Dann arbeitete ich in der letzten Spielzeit am Nationaltheater mit Lorenzo Fioroni. Auch meine erste Blonde mit Tom Ryser war toll.»

Vielseitig und offen für Neues
Auf der Opernbühne zu reüssieren war nicht unbedingt ein Traum, sondern eine von mehreren Optionen. Nach der Matura bereitete sie keine Geringere als Janet Perry auf die Prüfungen an den Musikhochschulen von Bern und Basel vor. Das Nachwuchstalent erlebte den Luxus, zwischen beiden Ausbildungsstätten wählen zu können und entschied sich für Basel. Hier erhielt sie unter anderem von Verena Schweizer wertvolle Impulse. Die Nachwuchssängerin liess aufhorchen und wurde noch während des Studiums als «Königin der Nacht» an die Osterfestspiele von Baden- Baden eingeladen. Als sie später am Mozart- Wettbewerb in Salzburg das Finale erreichte, im Festspielhaus sang und von Jurymitglied Barbara Boney ein aufmunterndes Feedback erhielt, erwies sich der Concours als Türöffner für das Grand Théâtre de Genève und weitere Stationen. In Genf fand sie nicht allein das erste Festengagement, sondern lernte bei einem Projekt auch den Dirigent Franco Trinca kennen, der sie im Blumenstein am Klavier bgeleiten wird. In der Romandie reüssierte sie als Papagena, als Jemmy in Rossinis Guillaume Tell und als Nannetta in Verdis Falstaff. Die Italo-Schweizerin mit zwei Pässen gebietet nicht nur über ein edles Mozart-Timbre, sondern liebt auch den Belcanto. Donizetti und Bellini passen eben zu ihrem italienischen Temperament. Nach der «Marienvesper» von Monteverdi, Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» und Beethovens «Fidelio» warten in Mannheim noch viele Herausforderungen auf die junge Künstlerin. Wie nervenstark Amelia Scicolone reagiert, bewies sie mit einem Einspringen als Puppe in «Hoffmanns Erzählungen » in Innsbruck. Nach dem überraschenden Olympia-Debüt zog sie am Tiroler Landestheater auch als Operetten- Diva alle Register. Mozart bleibt ein Eckpfeiler ihres Repertoires, doch die Vielseitige ist auf Entdeckungsreise. Silvia Rietz