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Anja Gysin

Mit bewegen und tanzen die Gefühle ausdrücken


Mit der Dance Company betweenlines und dem Unterrichten in Open Floor fand die Choreografin, Tänzerin, Bewegungspädagogin und Bewegungstherapeutin Anja Gysin ihre Erfüllung. Im Sommer zeigt sie die Tanzinstallation «Einklang» beim Schloss Waldegg, deren Titel auch auf ihr Naturell zutrifft.

Anja Gysin hat in jungen Jahren die Welt bereist, fremde Kulturen kennengelernt und sich in verschiedenen internationalen Institutionen in Tanz und Choreografie weitergebildet. Schon früh zeigte sich bei der in Oberdorf aufgewachsenen Anja Gysin ihr ausgeprägter Bewegungsdrang. Als kleines Mädchen widmete sie jede freie Minute dem Kunstturnen und dem Ballett.  Trotzdem träumte sie nie von einer Karriere als Primaballerina. Obschon der Elevin das Talent dazu beschieden wurde, sie die Basistechnik verinnerlicht hatte. «Als Teenager wollte ich ungebunden sein, nicht stundenlang am Barre üben oder auf Zehenspitzen trippeln», bemerkt sie und lacht. Gestalten, choreografieren und eigene Bewegungsmuster finden faszinierte sie mehr. Dies floss auch in die unterschiedlichen Ausbildungen als Bewegungspädagogin und Bewegungstherapeutin ein. Berufe, deren Know-how sie sich aneignete, die sie jedoch nie praktisch ausübte. Die junge Frau zog es zum Tanz, ins Ausland: An der Salzburg Experimental Academy of Dance und bei bewegungs-art in Freiburg im Breisgau bekam die Solothurnerin den letzten Schliff in den Bereichen Improvisation, Contactimprovisation und zeitgenössischem Tanz. So wie sie ihren individuellen Rhythmus im Ausdruckstanz suchte, so liess sie sich auch neben der Bühne den Wind der Freiheit um die Nase wehen. «Mein Beruf war Globetrotterin, ich hielt mich mit verschiedensten Jobs über Wasser und bereiste Kanada, die USA, Australien und Osteuropa. Dabei erweiterte ich den Horizont und vertiefte die Sprachkenntnisse», erzählt sie. Zurück in der Heimat, arbeitete sie im Restaurant Kreuz in Solothurn. Parallel zum Broterwerb trainierte sie Tanz, Improvisation und Performance, realisierte erste kleine Auftritte im Kreuz-Saal. Die scheinbar unerschöpflichen Energiereserven mündeten in eigene Projekte, erregten Aufmerksamkeit: 2010 erhielt Anja Gysin den Werkjahrpreis des Kantons Solothurn und 2012 ermöglichte ihr das Kuratorium für Kultur den sechsmonatigen Aufenthalt im Künstleratelier in der «Cité Internationale des Arts» in Paris.

Solothurn – Paris – Solothurn
Paris wird auch die Stadt der Liebe genannt. Nicht jedoch für die Tänzerin aus der Schweiz. Denn kurz vor der Abreise hatte sich Anja in ihren heutigen Mann verliebt. «Entsprechend oft reiste ich an den Wochenenden heim nach Solothurn», schmunzelt sie. Die prägendste Erinnerung an Paris sei die Company von Pina Bausch, deren Auftritt sie bewunderte. Zurück in Solothurn, gründete Anja Gysin die Dance Company betweenlines, mit der sie Produktionen realisiert (www.betweenlines.ch) und nahm das Unterrichten in Open Floor auf  (www.meinlebenstanz.ch). Auf die Frage nach dem Unterschied des Wirkens als Tanzlehrerin und Company-Leiterin, verpackt sie ihre Lebensphilosophie: «Kreativität ist ein Geburtsrecht des Menschen. Oft wird uns dies abgesprochen oder geht im Alltag unter. Im Open Floor biete ich die Gelegenheit, dieser Kraft ohne Worte Raum zu geben. Sich im Tanz dem Jetzt und dem Moment zu ergeben. Genauso bei meinen Aussenproduktionen mit der Dance Company betweenlines: Wir nehmen die Zuschauer mit auf eine zeitlose Reise, machen durch Tanz, Installationen, Musik die Natur zugänglich, um in Resonanz mit der eigenen Natur zu kommen. Letztendlich sind beide Formen eine Meditation – um den Augenblick zu erleben.» Nach dem letztjährigen Projekt «Die Blaue Stunde» erarbeitet sie mit der Dance Company unter dem Titel  «Einklang» ein weitere Tanzinstallation im Freien. Im Juni und Juli wird sie damit beim  Schloss Waldegg in Feldbrunnen gastieren. Nach bewegten Jahren hat der Bewegungsmensch den inneren Einklang längst gefunden.                                            Silvia Rietz