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Beatrice Liechti sorgt für ein gutes Bauchgefühl

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Beatrice Liechti sorgt für ein gutes Bauchgefühl

«Ich mache etwas für ein gutes Bauchgefühl, das darf sich jedoch für alle etwas anders anfühlen»


Beatrice Liechti in ihrem Reich an der Baslerstrasse.

Beatrice Liechti ist diplomierte Ernährungsberaterin und Spezialistin für Sporternährung. Im cleveress.ch in Solothurn bietet sie u. a. Teamkochen und Tisch- gespräche an. Als Kopf der Woche spricht die Solothurnerin über gesunde mexikanische Küche, Mikro-Nährstoffe, einer Chefin und ihr Schoggi- mousse, oder Solothurn als Gericht auf der Speisekarte.

Beatrice Liechti, wie istcleveress.ch entstanden?

Nur Wissen, wie man sich gesund und genussvoll ernähren sollte, ist das eine. Was man selber einmal gemacht und ausprobiert hat, kocht man zu Hause eher wieder. Darum wollte ich etwas auf die Beine stellen, das hilft, Wissen zum Tun zu unterstützen. Zudem koche ich leidenschaftlich gern.

Normale Kochkurse bieten Sie nicht an?

Es geht mir ums clever kombinieren, wobei ich nicht alles an diesem «gesund» aufhängen möchte. Genuss und Geschmack und Auge sollen auch nicht zu kurz kommen. Was wir anbieten, sind Workshops zu spezifischen Themen wie z. B. der Westafrikanischen Küche oder korrekt essen für ein starkes Immunsystem etc.

Sie bieten u.a. Teamkoch-Events für Unternehmen und private Gesellschaften, wie Geburtstage, Polterabende, etc. an – wie funktioniert das?

Sehr gut. Auch hier geht es darum, Gesundes mit Gutem zu kombinieren, sodass die Leute praktische Erfahrung sammeln können. Ich mache nicht den Lehrer, der den Mahnfinger aufstreckt und der sagt: Hey, so müsst ihr euch gesund ernähren! Ich will Wissen und Feines vermitteln. Ich sage immer: Ich mache hier etwas für ein gutes Bauchgefühl, das darf aber für alle etwas anderes heissen (lacht).

So ein Teamkochen ist auch ein cooles Teambuilding-Event, oder?

Ja. Man lernt sich von einer anderen Seite kennen, muss sich absprechen – scharf, nicht scharf etc. Zudem mischen sich beim Kochen die Gruppen und man ist nicht nur mit denen zusammen, mit denen man schon im Büro immer zusammen ist. Und am Ende gibt’s erst noch ein feines Essen.

Gibt’s einen besonderen, witzigen Moment so eines Teamkochens?

Da war einmal eine Männergruppe. Die einzige Frau, war die Chefin, sie sollte ein Schoggimousse machen. Es lief so alles falsch, was falsch laufen konnte. Aus der Schoggisauce haben wir dann Brownies gemacht, so nach dem Motto: Es gibt immer einen Weg zum Ziel.

Wie wählen Sie die Menüs aus?

Ich habe Themen, versuche aber bei jeder Gruppe, etwas Stimmiges zu finden.

Was für Themen sind das?

Mexikanisch z.B. oder mit Stiel und Stängel. Letzteres bedeutet alles vom Gemüse zu nutzen, sodass nichts auf dem Kompost landet. Mediterrane Tavolatas sind auch beliebt oder afrikanische und libanesische Küche.

Kann man mexikanisch gesund essen?

Ja, das geht (lacht), aber es ist eine Herausforderung. Mit 16 habe ich einen Austausch in Mexiko gemacht und dort die heimische Küche in all ihren Facetten kennengelernt. Es geht auch ohne «Chili con Carne». Man kann sehr wild kombinieren, das gefällt mir.

Und Leckeres aus Insekten, bieten Sie auch an?

Nein, würde ich zwar cool finden, aber ich habe leider eine Insektenphobie.

Vegetarisch boomt?

Es geht in die Richtung resp. in Richtung Nachhaltigkeit. Mit Manuela Jäggi habe ich eine Fachfrau, die bei mir arbeitet. Was gut ist für die Umwelt ist auch gut für den Menschen.

Hilft es der Umwelt, wenn man regionale Produkte verwendet?

Regionales ist super, wirkt sich auf Nachhaltigkeit aber nicht so stark aus, wie man denkt. Was der Umwelt viel besser tut, ist weniger Fleisch und mehr Pflanzen basiert zu essen. Wir bieten immer beides an, hatten aber auch schon Leute, die sind beinahe ausgeflippt, als sie zum ersten Mal Tofu, entsprechend zubereitet natürlich, statt Fleisch gegessen haben.

Wie sieht ein guter Wochen-Ernährungsplan aus?

Der Teller sollte immer ausgewogen mit viel Gemüse, Proteinen und Stärke belegt sein. Auf die Woche gesehenreichen zwei-, dreimal Fleisch.

Und Gemüse – jeden Tag?

Fünf Portionen Gemüse und Früchte pro Tag wären eigentlich ideal.

Fünf Portionen Gemüse! Wer macht das in der Schweiz?

Weniger als 20 %.

Dafür sind 95 % Lichtjahre über der Fleischempfehlung?

Ja (lacht). Zu viel Fleisch, zu viele Süssigkeiten und zu wenig Gemüse. Das ist weit verbreitet.

Wie kochen Sie für sich?

Das, was wir hier bei cleveress.ch kochen, koche ich auch für mich, weil es mir schmeckt und gesund ist.

Bringen Sie Cevelatsalat mit Pommes noch runter?

Perfektion ist nicht nötig, um sich gesund zu ernähren. Viele Leute scheitern, weil sie es zu perfekt machen wollen. Cervelat habe ich nicht gern, – aber ein Rührei mit Chorizo nehme ich ab und zu… Man soll sich auch gönnen, was man gern hat oder gut tut!

Gibt es eine Wunderdiät, die toll schmeckt und nie in einer Hungersnot mündet?

Von speziellen Diäten halte ich nicht so viel. Sie sind häufig einseitig und verleiden schnell. Ich finde Intervallfasten hat Potenzial. Dabei kommt es aber auch sehr darauf an, wie man es macht. Deshalb bieten wir Beratungen an.

Sie sind auch diplomierte Sporternährungsberaterin – wer kommt zu Ihnen?

Ich hatte schon mehrere NLA-Eishockeyspieler, Unihockeyspieler, denn meine Söhne haben beide das Sport- gymer besucht und spielen Unihockey, Korbballvereine, Kraftsportler, Marathonläufer ... Ich hatte auch schon eine Turmspringerin und Hürdenläuferin. Vielfach sind es auch ambitionierte Breitensportler.

Kann man sich gesund und günstig ernähren?

Abgesehen davon, dass Fleisch ziemlich teuer ist, gibt immer mehr Produkte in den Regalen der Grossanbieter. Und Gemüse gibt es schon immer. Also auf jeden Fall, aber vieles hängt mit dem Wissen zusammen.

Sie sind Gewinnerin des Nestlé-Preises 2010 für die Entwicklung des «Ballabeina»-Leiterlispiels. Was verbirgt sich hinter diesem Spiel?

Es geht im Spiel darum Kindern Ernährungs-Wissen spielerisch und nachhaltig zu vermitteln.Wer sich gesund entscheidet kommt weiter, wer nicht, fällt runter..

Was halten Sie von der Sterne-Gastronomie?

Dort wird Bewundernswertes geleistet. Das Vegi-Kochbuch von Tanja Grandits (Anm. d. Red. 19 Gault-Millau-Punkte, 3× Köchin des Jahres, Restaurant Stucki Basel) finde ich top und koche auch viel daraus. Persönlich habe ich allerdings lieber Unkompliziertes – Streetfood z. B..

Gehen Sie überhaupt noch ins Restaurant oder isst das Ernährungsberater-Auge immer mit und verteilt permanent Noten?

Ich gehe sehr gerne in Restaurants und man kann mich auch privat einladen (lacht). Im Restaurant bestelle ich eher Fleisch, weil ich vegetarisch selbst so koche, dass ich meistens etwas enttäuscht bin.

Planen Sie Ihr Angebot bei cleveress.ch zu entwickeln?

Ich glaube, wir haben ein sehr gutes, spannendes Angebot. Die Tischgespräche sind wegen Corona etwas in den Hintergrund gerückt. Und wir möchten noch mehr auf Zusammenarbeit setzten. Z.B. findet im Juni ein Anlass im Kapuzinerkloster statt und die Essrestbar kommt auch.

Tischgespräche?

Ich koche einmal im Monat und die Leute können kommen, ein Glas Wein trinken, Häppchen essen und sich unterhalten. Und zwar in Spanisch, in Englisch und in Französisch. Das hat dann weniger mit Ernährungsberatung als mit Geselligkeit zu tun. Ich mache da v.a. als Teilnehmerin mit.

Sie auf ihrer Webseite, wie sie mit Tele-M1-Moderator Alain Röllin kochen. Was halten Sie von so TV-Kochshows?

Jamie Oliver finde ich sehr cool. Einfach seine Leidenschaft und wie er von seinen Produkten schwärmt und die totale Begeisterung rüberbringt. Da kann ich noch ein bisschen lernen von ihm… (lacht)

Was passieren, wenn Sie ein Jahr Küchenverbot bekämen?

Dann würde man mich ständig auf dem Velo und am Spazieren mit meinem Hund sehen. Ein zweite Ernährungsleidenschaft von mir sind zudem Mikronährstoffe .

Mikronährstoffe als Nahrungsergänzung?

Ja. Aber es geht nicht um Mikronährstoffe statt gesundes Essen. Vielmehr sollen beim Essen dank Nahrungsergänzung therapeutische Effekte erzielt und Leiden gelindert werden. Mein Mann z.B. hatte Knieprobleme, die dank Mikronährstoffen verschwunden sind.

Was steht auf IhrerBucket-List?

Unbedingt wieder mal nach Mexiko gehen. Eine längere Velotour in den Anden (Argentinien/Chile) wäre auch toll.

Wen würden Sie (tot oder lebendig) gerne für sich zu einem Tischgespräch einladen?

Simone de Beauvoir wäre spannend oder dann Kochbuch-Bestseller-Autor Yotam Ottolenghi, der in London das Restaurant Nopi führt und Markus Samuelsson, der in New York das angesagteste Restaurant der Stadt, das Red Rooster führt. Mit ihnen würde ich gerne einmal kochen.

Wenn Solothurn ein Gericht auf der Menükarte wäre, was wäre, was für Zutaten wären da drin?

Gute Frage. Man sagt, Solothurn liegt am Meer, von da her müsste sicher ein gewisser mediterraner Touch in dem Gericht drin sein. Gemüse vom Märet im Olivenöl angedünstet, Fisch vom «Hene» an der Judengasse und als Beilage vielleicht Süsskartoffeln aus der Gegend –  am besten alles zubereitet auf dem Grill.

Was ist Glück für Sie?

Teamkochen ist für mich der Inbegriff von Glücklichsein. Zusammensein mit Leuten, die man mag. und etwas miteinander machen, das einen freut, erfüllt und Sinn ergibt. Gesund sein und getragen werden von einer lieben Familie, das ist Glück.                             Interview: Michael Schenk