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Bettina Jenni

Sie bringt Senioren zum Strahlen und Lachen 


Bettina Jenni hat vier Kinder gross gezogen, im Gastgewerbe und in der Pflege gearbeitet und nun die Weiterbildung als Aktivierungsfachfrau abgeschlossen. Ihr Herzensanliegen ist es, getreu dem Credo „Ein Lächeln sagt mehr als viele Worte“, betagten Heimbewohnern eine Abwechslung zu bieten, ihre manuellen und geistigen Fähigkeiten zu erhalten und Gemeinschaftserlebnisse zu ermöglichen. 

Entdeckt Bettina Jenni an einem Flohmarkt Geschicklichkeits-Spiele, die nicht nur die Sinne von Kindern, sondern auch von Senioren anregen, greift sie zu. Zufrieden, etwas Neues für die Aktivierungsgruppen entdeckt zu haben. «Menschen werden älter als frühere Generationen, verbringen den Lebensabend oft in einem Alters- oder Pflegeheim. Die Aktivierung ist ein wirksamer Beitrag, die Lebensqualität von Betagten zu fördern. Mit vielfältigen Aktivitäten bieten wir Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und Beziehungen zu pflegen. Die Senioren erleben Gemeinschaft, fühlen sich unterhalten und vor allem nicht mehr einsam», erklärt sie. Ihre Schützlinge schätzen die unkomplizierte, authentische und warmherzige Art der Aktivierungsfachfrau. Mit grosser Empathie und zupackendem Naturell widmet sie sich den Frauen und Männern, hört ihnen zu, merkt sich Vorlieben und Talente. Bettina Jenni konnte schon immer gut mit Kindern und Senioren umgehen. Als Teenager betreute sie nach der Bernische Haushaltungsschule als Au-Pair die Sprösslinge einer Tessiner Familie, absolvierte auf der Säuglingsstation des Kantonsspitals Glarus ein Praktikum und engagierte sich auf der Geburtenabteilung im Spital Langenthal. Irgendwann bekam sie selber vier Kinder, war als Familienfrau mit Aufgabenhilfe, Waschen, Gärtnern und vielem mehr beschäftigt. Nach der Scheidung wollte sie die schulpflichtigen Mädchen und Jungen nicht sich selbst überlassen, suchte sich eine Existenzsicherung, die sie zuhause oder mit den Kindern ausüben konnte. «Ich verdiente mir einen Zustupf als Tagesmutter, Spielgruppenleiterin, Mukiturnen-Leiterin und später als Naildesignerin», offenbart sie lachend. 

Allrounderin und Stehauffrau 
Als die Kids flügge wurden und auszogen, arbeitete sie viel im Catering- und Gastrobereich. Untätig sein liegt ihr nicht. Neben ihrem Job in einem Seniorenzentrum betreut sie die Food-Kasse des SC Langenthal. Mit Willenskraft, Fantasie und Courage gelang es der Allrounderin immer wieder, einengende Situationen zum Besseren zu wenden. Eine «Stehauffrau», die nie den Optimismus verlor und stets Lösungen fand. Nun, in ihren reiferen Jahren, stellte sie sich einer neuen Herausforderung, absolvierte mit teilweise zwanzig Jahre jüngeren Kolleginnen die zweijährige Ausbildung zur Aktivierungsfachfrau. «Der AGERE-Lehrgang zur Aktivierung und Alltagsgestaltung in der Geriatrie und Psychogeriatrie forderte mir neben Job und anderen Verpflichtungen einiges ab. Nun bin ich einfach glücklich, den Abschluss geschafft zu haben. Eine wahre Lebensschule. Noch diesen Sommer nehme ich in Luzern mit «Basale Stimulation» eine neue Weiterbildung in Angriff», gibt sie stolz zu Protokoll. Obschon sie die unterschiedlichen Stimmungen der Senioren schon immer instinktiv spürte, habe sie durch den Lehrgang viel dazu gelernt. «Das Beherrschen verschiedener Validations-Techniken veränderte meine Sicht und meine Grundhaltung, da ich nun «seltsames Verhalten und Gebaren» besser verstehe und einschätze. Ich reagiere differenzierter, besitze mehr Selbstvertrauen und Handlungskompetenz.» Ihr Fazit lautet denn auch, dass sie sich erneut für diesen anstrengenden Weg entscheiden würde. Bettina Jenni: «Wenn betagte Augen wieder strahlen, verkümmerte Hände greifen, Menschen sich wohlfühlen und zu erzählen anfangen, dann weiss ich, dass ich meinen Platz im Leben gefunden habe.»                   Silvia Rietz