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Daniel Emmenegger

Er begleitet Trauernde feinfühlig und stützend


Trauer ist eine natürliche Antwort auf Abschied und Verlust. Die Krebsliga Solothurn bietet trauernden Angehörigen die Möglichkeit von begleiteten Treffen, wo sie sich in einer kleinen Gruppe austauschen können. Die «Trauercafés» werden vom Krebsliga-Mitarbeiter und ausgebildetem Trauerbegleiter Daniel Emmenegger durchgeführt. Das nächste Trauercafé findet am Mittwoch, 24. Oktober, statt.

Menschen, die einen Angehörigen durch Tod verloren haben, erleben Trauer und Schmerz. Viele Trauernde gehen rasch wieder zur Tagesordnung über, da sie ihr Umfeld nicht belasten möchten. Das «Trauercafé » gibt Trauernden Raum, in vertraulicher Atmosphäre die eigene Geschichte zu erzählen und sich mit anderen Betroffenen austauschen – unabhängig davon, wie lange der Verlust her ist. «Die Kursabende sind thematisch aufeinander abgestimmt. Sie bieten Raum zum Annehmen, zum Reden und Schweigen, zum Zuhören, zum sich Erinnern, zum Weinen, zum Trösten. Und vielleicht auch zum erstmaligen Lachen nach dem schweren Verlust. Die Teilnehmenden werden darin unterstützt, den Verlust in ihr Leben integrieren zu können – und dadurch wieder neuen Mut zu schöpfen », erklärt Daniel Emmenegger seine Aufgabe als Leiter der Treffen. Der Mann mit der markanten Brille und dem nachdenklichen Blick engagiert sich seit vielen Jahren für das Thema Sterben und Tod. Er ist mit einem Zwanzig-Prozent-Pensum bei der Krebsliga Solothurn tätig, wo er in den Leistungsfeldern «Palliative Care» und «Beratung und Unterstützung» aktiv ist. Zudem arbeitet er in der Notaufnahme des Inselspitals Bern als Pflegefachmann und Berufsbildungsverantwortlicher. In beiden Berufszweigen begegnet Daniel Emmenegger Menschen in Extremsituationen. Neben der Fachkompetenz sind Sensibilität und Empathie die wichtigsten Instrumente, um Patienten zu versorgen sowie sie und ihre Angehörigen mental zu stützen. «In der Notaufnahme komme ich selten mit Langzeitpatienten in Kontakt, wie dies bei der Krebsliga der Fall ist. Das Zusammensein mit Sterbenden ist zumeist kurz, doch sehr intensiv», berichtet er aus dem Spitalalltag. Da ist nichts von Routine und Distanz, der Schmerz und die Fassungslosigkeit der Angehörigen berühren ihn. Zu beobachten, wie Tod und Sterben noch immer Tabuthemen sind, sensibilisierte ihn zusätzlich, sich für Betroffene einzusetzen. «Oft werden Trauernde vom Umfeld alleine gelassen, vereinsamen und verstummen. Doch gerade in einer solchen Krisensituation sind Frauen und Männer auf ein sensibles Umfeld angewiesen. Anteilnahme zeigen, zuhören und gemeinsame Aktivitäten planen, können Trauernde aus ihrer Isolation holen und ihnen beim Verarbeiten helfen», weiss der Trauerbegleiter.

Schweigen und Reden hat seine Zeit
Daniel Emmenegger spricht ruhig und besonnen. Er strahlt Ruhe aus, schafft eine Atmosphäre von Geborgenheit und Fürsorge. Dabei wirkt er keineswegs introvertiert, sondern anderen gegenüber wertschätzend, humorvoll und aufgeschlossen. Die Gesprächspartner spüren, sie sitzen einem tiefgründigen Menschen gegenüber. Einem, der offen für alles ist, was in der Welt passiert und sich besonders mit Fragen des Gesundheitswesens beschäftigt. Daniel Emmenegger ist sich bewusst, dass Besucherinnen und Besucher des Trauercafés oft eine Schwelle oder innere Blockade überwinden müssen, um sich anderen Menschen öffnen zu können. «Wenn jemand neu dazu kommt und einfach schweigend dasitzt, so respektiere ich dies, gebe den Trauernden die Zeit, die sie brauchen. Ich dränge niemandem zu sprechen.» Er setzt sich schweigend dazu, ist einfach da. Daniel Emmenegger hat gelernt, die Stille auszuhalten. Bis irgendwann die Schleusen aufmachen und ein Gespräch beginnt. Behutsam knüpft er dort an, wo sich die Trauer äussert. Unabhängig von religiöser, kultureller oder ethnischer Prägung findet er die richtigen Worte, hilft Trauernden, wieder ins Leben zu finden. Silvia Rietz