Leute

Edle Tropfen an Bord probiert

» Mehr

Regio Info

Beim Velosammeltag mit Velobörse in Messen im Bucheggberg stand das Zweirad im Fokus

» Mehr

Kopf der Woche

Christine Zürcher

» Mehr
Christine Zürcher

Die Sakralbauten der Stadt Solothurn beschrieben 


Christine Zürcher hat für die Kunstdenkmälerinventarisation der Denkmalpflege Archive gesichtet, Quellen studiert und die Kapellen, Kirchen und Klöster der Ambassadorenstadt unter die Lupe genommen. Nach mehrjähriger Projektarbeit ist nun ab dem 5. Dezember der vierte Band über die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn «Stadt Solothurn III, Sakralbauten» erhältlich. 

Etwas von Grund auf erarbeiten, Neues entdecken und erforschen, dies entspricht Christine Zürchers Naturell. Im Wasseramt aufgewachsen, besuchte sie in Solothurn die Kantonsschule und studierte später in Basel Kunstgeschichte und Französische Sprach- und Literaturwissenschaft. «Welche Richtung ich nach meinem Studium einschlagen würde, blieb lange offen. Da mich Architektur seit jeher interessierte, absolvierte ich vor dem Studienabschluss schliesslich ein Praktikum bei der Denkmalpflege. Eine meiner ganz ersten Arbeiten als Praktikantin war es, die Architektenpläne des Touringhauses zu inventarisieren», erinnert sich Christine Zürcher an den Beginn ihrer ersten Tätigkeit für die Denkmalpflege des Kantons Solothurn. «Dass nach dem Studienabschluss schliesslich eine Anstellung möglich wurde, war für mich natürlich ein Glück und ich schätze das noch immer sehr.» Samuel Rutishauser, damaliger Leiter der Denkmalpflege, förderte die Einsteigerin. Seit 2004 gehört sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und seit 2008 als Inventarisatorin und Autorin des Kunstdenkmälerinventars, fest zum Team. Sitzt sie nicht am Schreibtisch, steigt sie in Luftschutzkeller, wo sich die Archive oft befinden, oder  in den Dachstuhl eines Gebäudes um baugeschichtliche Informationen zu sammeln. Beim Inventarisieren mag die Fachfrau die Nähe zum Objekt. «Ich muss Gebäude und Ausstattungsteile für die Dokumentation besichtigen, fotografieren, genau beschreiben, allenfalls vermessen und sie im Kontext der Architektur- und Kunstgeschichte in einem Text würdigen.» Für den neuen Band über die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn befasste sie sich zusammen mit ihrer Arbeitskollegin Johanna Strübin mit den Sakralbauten der Stadt Solothurn. 

Breitgefächerte Interessen
Christine Zürcher: «Das neue Grundlagenwerk nimmt die Leser mit in die Geschichte, zeigt, wie sich die Bauwerke durch die Jahrhunderte hindurch verändert haben.»  Christine Zürcher und Mitautorin Johanna Strübin gewähren Einblicke in das bauliche Kulturerbe der Stadt. «Wir stellen nicht nur  Kapellen und Kirchen ins Zentrum, sondern auch deren Ausstattungen: Altäre, Gemälde, Skulpturen, Glocken, Glasmalereien, liturgische Gerätschaften und Möbel.» Zwar keinen Kirchenschatz mehr, dafür einer der frühen Stuckmarmoraltäre traf sie in der Dreibeinskreuz-Kapelle an. Der Charme des Verlassenseins habe es ihr angetan. «Die Kapelle ist noch nicht restauriert worden und gerade deswegen in ihrer Geschichtlichkeit authentisch. Ihr Zustand wird aber schon regelmässig geprüft. Für die Stadtgeschichte ist die Dreibeinskreuz-Kapelle mit den Gemälden zur Legende von Urs und Viktor wichtig.» Archivarbeit ist eine einsame Arbeit. Christine Zürcher stöbert in alten Schriften und Plänen, filtert Wichtiges von Nebensächlichem. Lebhaftere Tage erlebte sie beim Erforschen des Klosters Visitation, wo sie von den Schwestern mit Apfelsaft und Guetzli verwöhnt wurde. «Das Solothurner Kloster des aus Frankreich stammenden Ordens besitzt eine spannende Geschichte und es ist wohl innerhalb des Ordens der Visitation noch eines der einzigen vollständig erhaltenen Klöster des 17. Jahrhunderts.» Obschon sie sich während den letzten acht Jahren hauptsächlich mit Sakralbauten befasste, sind ihr Wissens- und Interessensgebiet breit. So arbeitete sie früher unter anderem für die Fondation Beyeler, engagierte sich im Künstlerhaus S11 und für die Filmtage. Priorität geniessen jedoch die neunjährigen Zwillingssöhne. Die Familienarbeit teilt sie sich mit ihrem Partner, doch fordert der dichte Alltag dennoch einiges an Flexibilität. Gerade kurz vor der Buch-Vernissage.                Silvia Rietz