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Claire Huangci

Claire Huangci ist auf dem Sprung zur Weltkarriere


Mit dem Stadtorchester Solothurn spielte Claire Huangci 2014 das zweite Klavierkonzert von Tschaikowsky. Nun kehrt sie zurück und wird am Freitag, 16. November, mit dem Orchester das populäre erste Tschaikowsky-Konzert interpretieren. Dazwischen liegen viele Auftritte und der Sprung zur Weltkarriere: Diesen Sommer gewann Claire Huangci den Concours Géza Anda 2018, einen der härtesten Klavierwettbewerbe der Welt. Zusätzlich erhielt sie auch den Mozart-Preis zugesprochen.

«Vor vier Jahren setzte ich mich erstmals mit den Klavierkonzerten von Tschaikowsky auseinander. Ganz bewusst wählte ich das zweite und nicht das weltbekannte erste Konzert. Lange Zeit habe ich dieses gemieden, weil ich das Gefühl hatte, es sei «überspielt». Doch nun entdeckte ich, welch sprudelnde Energie und Hoffnung in diesem Meisterwerk stecken und traue mir zu, dies so zu interpretieren, dass das Publikum Neues heraushört», erläutert Claire Huangci in tadellosem Deutsch. Seit zehn Jahren lebt die Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln in Hannover, reist oft und gerne in die Schweiz. «Obschon ich die Sprache immer im Ohr hatte, fing ich erst 2015 an, mich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen. Plötzlich schaute ich nur noch deutsche TV-Serien und unterhielt mich mit den Menschen in der Landessprache. Jetzt ist mir das Deutsche so geläufig wie meine Muttersprache.» Die für ihre «glitzernde Virtuosität, gestalterische Souveränität, hellwache Interaktion und feinsinnige Klangdramaturgie» (Salzburger Nachrichten) gelobte Musikerin avancierte während den letzten Jahren zur gefeierten Pianistin. Mit dem Sieg beim prestigeträchtigen Géza Anda Wettbewerb 2018 erhielt sie sozusagen den Ritterschlag und ist in den Olymp des modernen Starwesens vorgestossen. Wer die Karriere des einstigen Wunderkindes verfolgte, wunderte sich nicht, dass sie als zweite Auszeichnung ebenfalls mit dem Mozart-Preis bedacht wurde. Auch der früh verstorbene Géza Anda, zu dessen Gedenken der Wettbewerb alle drei Jahre ausgerichtet wird, pflegte wie auch Claire Huangci, eine besondere Affinität zu Mozart. «Anda war ein ehrlicher Musiker. En Pianist mit klassischem Anschlag und Geschmack, aber auch voller Feuer und Leidenschaft. Eine seltene und explosive Mischung. So sind denn seine Mozart-Interpretationen aus einer goldenen Ära, voller Klarheit und Poesie. Ich hoffe, dass ich dieser Tradition folgen und sie weitergeben kann.»

Internationaler Durchbruch geschafft
Dies wird die ambitionierte Pianistin zweifellos. Eine Kostprobe ihrer Sensibilität für den Salzburger Meister gab Claire Huangci im neueröffneten Stadttheater Solothurn. Sie gastierte unter der Leitung von Matthias Bamert mit dem Sinfonie Orchester Biel Solothurn an der Mozart-Gala. Gemeinsam erhoben sie das Klavierkonzert Nr. 25 zum elektrisierenden Programm-Höhepunkt. Dabei erwies sich Claire Huangci einmal mehr als eine überaus expressive Musikerin, die jedoch aus einer für ihr Alter unglaublichen Ruhe und Tiefe heraus gestaltete, Zwischentöne hörbar machte. Die vor allem für Chopin und das russische Repertoire gebuchte Pianistin freut sich, dass sich ihr dank dem Concours Géza Anda nun mehr Möglichkeiten eröffnen, klassisches Repertoire zu präsentieren. Mehr Mozart und Beethoven zu spielen. «Als Studentin war es mein Ziel, in Europa mehr über die kulturellen Hintergründe der grossen Komponisten zu erfahren, in ihr Werk einzutauchen und auszuloten, was sie beim Komponieren bewegte. Nun habe ich die Chance, dies auf internationalem Parkett umzusetzen », resümiert sie. Die junge Frau ist trotz Ruhm und Erfolg auf dem Teppich geblieben. Schätzt es, für Freunde zu kochen, in den verschiedenen Metropolen zu shoppen und neben dem Partitur-Studium, dem Üben und Konzertieren, ein weitgehend normales Leben zu führen. Unbedacht dessen, dass sie als eine interessante Pianistin ihrer Generation gefeiert wird. Eine seltene und explosive Mischung – ihre Charakterisierung von Géza Anda gilt eben auch für Claire Huangci. Silvia Rietz